Critical Media Studies Vorlesung HS 2016

Montags, 26.09.–19.12.2016
14.15–15.00
Critical Media Lab (D 3.05)

Forschende des Instituts Experimentelle Design- und Medienkulturen (IXDM) und des dazugehörigen Critical Media Lab Basel werden im Rahmen der Vorlesung verschiedene Ansätze, Methoden und Forschungsfelder vorstellen, die massgebend für Critical Media Studies sind und in Forschungsprojekten des Instituts zum Tragen kommen.

Programm

1 | 26.09.2016

Introduction: Critical Media Studies

Claudia Mareis & Team

2 | 03.10.2016

Design als Wissenskultur

Claudia Mareis

Abstract
Sowohl Design als auch Wissen haben als prägnante und zugleich unverbindliche Schlüsselkonzepte die Aufmerksamkeitsökonomie in post- und spätmodernen Gesellschaften merklich mitgestaltet. Der vielzitierten Beliebigkeit des Designbegriffs steht gegenwärtig die Diagnose einer ökonomisierten und ästhetisierten Wissensproduktion gegenüber, die sich weniger an Inhalten, sondern vielmehr an Märkten, Zielgruppen und der medialen Inszenierung von Wissen orientiert. Unter dem programmatischen Stichwort des ›design turn‹ ist der Designbegriff mittler­weile auch in den Geistes- und Naturwissenschaften angekommen und soll dort die Erforschung von wissenschaftlichen Erzeugungs- und Fertigungsverfahren aus einer Entwurfs- und Gestaltungsperspektive anleiten. Der Vortrag geht der Frage nach, auf welche Weise Design in einer historischen und praxeologischen Sicht sich als eigenständige Wissenskultur beschreiben lässt, aber auch welche Probleme und Kritikpunkte mit einer solchen Projektierung verhaftet sind.

Further Reading
Mareis, Claudia: Theorien des Designs zur Einführung. Hamburg: Junius Verlag 2014, insbesondere Kapitel 5.

Mareis, Claudia: Design als Wissenskultur. Interferenzen zwischen Design- und Wissensdiskursen seit 1960. Bielefeld: Transcript 2011.

3 | 10.10.2016

Ethnographies of Place, Space, Movement, and Affect

Johannes Bruder

Abstract
The lecture is supposed to suggest alternative ways of studying and processing technologies as configurations of social life. It gives an example of how in-depth observations, interviews and mapping practices can be employed to study the design of technologies in society. Drawing on and reading passages from Natasha Dow Schüll’s study of machine gambling architectures and atmospheres in Las Vegas, I will shed some light on the importance of generating and maintaining affect in the design of technologies and explain how it structures the daily lives of patrons.

Further Reading
Natasha Dow Schüll: Addiction by Design: Machine Gambling in Las Vegas. Princeton University Press 2013.

4 | 17.10.2016

Lokative Medien und Karten

Christine Schranz

Abstract
Lokative Medien wurden erstmals im Kunstkontext geprägt und meinen heute ortsunabhängige wie ortsbezogene digitale Medien (obwohl Geomedien ortsunabhängig sind, bleibt der Inhalt ortsgebunden). Wichtig ist dabei die Unterscheidung von Ortsmedien und Medienorten. Mit dem Aufkommen von lokativen Medien wurden auch kommerzielle Dienste entwickelt. Diese sind insbesondere in den Location based Social Media und Netzwerken auszumachen wie beispielsweise Foursquare. Foursquare ist eine digitale Plattform zur Teilung von Standortinformationen im Bereich von Gastronomie und Nachtleben. Ein wichtiger Aspekt ist, dass dabei der physische Ort mit persönlichen Notizen, Geschichten und Bildern erweitert werden kann.

5 | 24.10.2016

Zeitkritik als experimentelle Medien- und Designpraxis

Shintaro Miyazaki

Abstract
Medien speichern, übertragen und prozessieren nicht nur Bilder, Dinge oder Räume, sondern auch Zeitprozesse. Was mit Zeitkritik gemeint ist, ist jedoch nicht nur eine Frage der Medien, sondern hängt zusätzlich vom Zeitrahmen, der kritisch begutachtet werden soll, ab. Geht es um unsere Zeit und Medienkultur, also die zu Ende gehende erste Dekade des 21. Jahrhunderts? Oder ist der Zeitrahmen enger und es geht vielleicht um die Kritik organisatorischer Zeitprozesse wie im Management? Oder liegt der Fokus auf mikrozeitliche, hochtechnische Prozesse, die vor allem in der digitalen Welt, etwa im Finanzmarkt effektiv werden?

Der Vortrag beleuchtet diverse experimentelle Medien- und Designpraktiken, die auf diesen drei Ebenen, einmal auf der großen, dann auf der mittleren und zuletzt auf der kleinsten, je unterschiedlich zur Geltung kommen. Der Fokus auf das Prozessuale unserer Design- und Medienwelt zeigt dabei neue Perspektiven auf unsere allzu bekannte Medienkultur.

Further Reading
Shintaro Miyazaki: Critical Media – Signale verstehen, gestalten und setzen, in: Kirsten Merete Langkilde (Hg.), Ortszeit. Aufzeichnungen der Hochschule für Gestaltung und Kunst FHNW 2014, (Basel: Christoph Merian Verlag) 2014, 157–169.

6 | 31.10.2016

Infrastructure Studies

Jamie Allen

Abstract
The availability and effectiveness of political and socio-cultural institutions is considered an important element of emancipation and collectivisation within the publics they serve. At the same time, the contradictory and ambiguous nature of institutions and the sometimes inordinate, malevolent power they assert or embody is emphasised and antagonised.

As individuals shoulder institutional roles and are increasingly able to readily create institutional forms, and as institutions attempt to relate to voice themselves to publics as transparent and approachable individual actors, the character, reception and production of institutionalised creative practice must be thought as ambiguous in this way—as enabling of expression and creative possibility while symbolising and enacting obstinate, hegemonic power and control.

Further Reading
From the Critique of Institutions to the Institution of Critique by Andrea Fraser (PDF)
The Institutionalisation of Friendship by Viktor Misiano

7 | 07.11.2016

Kulturtechniken

Leonie Häsler

Abstract
Was bzw. wann ist Kultur? Die Auseinandersetzung mit Kultur(en) findet heutzutage längst nicht mehr nur im Museum, Theater oder in der Oper statt oder beruft sich ausschliesslich auf Schrift und Sprache. Vielmehr schliesst sie scheinbar selbstverständliche alltägliche Routinen, mediale Praktiken und materielle Objekte des Massenkonsums mit ein. Damit einhergehend richtet sich der Fokus verstärkt auf Mensch-Ding/Medien-Beziehungen und kulturelle Prozesse, deren Untersuchung unter dem Begriff der Kulturtechnikforschung gefasst werden kann. Rechnen, Schreiben, Lesen, Zeichnen und Musizieren sind grundlegende Kulturtechniken, die sich durch Medieninnovationen wandeln. Ihre Anwendung setzt überliefertes und routiniertes Wissen voraus und ist gebunden an Werkzeuge, Medientechniken und Materialitäten. Der Vortrag stellt Grundbegriffe und -gedanken der Kulturtechnikforschung vor. Im Design wird häufig das Produkt beurteilt, weniger die (Um-)Wege des Entwurfsprozesses. Anhand des Entwerfens als Kulturtechnik sollen Möglichkeiten und Grenzen des Konzepts diskutiert werden.

Further Reading
Maye, Harun: Was ist eine Kulturtechnik?, Zeitschrift für Medien- und Kulturforschung 2010/1 (2010), S. 121–135.

8 | 14.11.2016

Improvisation and digital tools in industrial design processes

Annika Frye

Abstract
During the Critical Media Studies Lecture I will discuss my interest in materials and stories from design processes that is currently going in two directions. First, I have been researching improvisation as a method. My PhD is a study on design processes and their improvisations from modernist industrial design until today’s maker movement. Design, as it seems, is rather based on improvisation than on planning. This leads me to a new concept of design. »Design« was defined as a planned operation during the 1960’s design methods movement and in traditional industrial design. But design practice is more unpredictable and more dynamic than the meaning of the word design suggests. This is even more true in postindustrial design than in traditional industrial design. Today’s design processes are being restructured by digital tools, especially 3D-Printing. These tools seem to influence the collaborative and social aspects of design as well as the artifacts of design. They create new methods and new interactions. The observation of these digital methods and interactions is the second problem my work addresses.

9 | 21.11.2016

Playful Media Prototypes

Jan Torpus & Andreas Simon

Abstract
Kunst- und Designprojekte werden oft über die klassischen Schritte Idee, Konzept, Entwurf, Umsetzung und Präsentation entwickelt. Explorative Prozesse, bei denen die Autorenschaft in den Hintergrund tritt, iterative Trial-and-Error-Methoden mit Materialien, Konstruktionen oder Interaktionsformen zum Einsatz kommen und Rückmeldungen der End-user stetiger Bestandteil sind, werden an Kunsthochschulen seltener gefördert. Methodisch transformierte und erweiterte Ansätze aus der wissenschaftlichen Forschung führen bei gestalterischen Entwicklungsprozesse zu neuen Erkenntnissen und Resultaten.

Im Vortrag werden methodische Ansätze wie: Simulation, Pattern Design, Human Centred Design, Iterative and Incremental Development, Prototyping, Rapid Ethnography, Usability Studies und Demo Culture beleuchtet und Beispiele aus Kunst und Design, sowie laufende Design- und Kunstforschungsprojekte des IXDM erörtert und analysiert.

Further Reading
Bill Albert, Tom Tullis. Measuring the User Experience. Morgan Kaufmann. 2013.

Thomke, S. (2001). Enlightened experimentation: The new imperative for innovation. Harvard Business Review, 79(2), 66-75.

http://dschool.stanford.edu/use-our-methods

https://www.ideo.com/post/design-kit

10 | 28.11.2016

Entanglements of Artistic Research and Sensory Ethnography

Flavia Caviezel

Abstract
Junge ‚Disziplin’, die sich nicht disziplinieren lässt? International betrachtet, hat sich die künstlerische Forschung seit den 1990er-Jahren zu einem eigenständigen Bereich künstlerischen Denkens und Handelns entwickelt. Auch an Schweizer Kunsthochschulen findet eine intensive Auseinandersetzung statt, insbesondere seit der politischen Verankerung von Forschung im erweiterten Leistungsauftrag im Zuge der Bologna-Reform 2005.

Die Sensory Ethnography positioniert sich mit ihren widerständigen Praktiken an der Schnittstelle künstlerisch-wissenschaftlich Schaffens. In den letzten Jahren hat sie insbesondere durch filmische Arbeiten des Sensory Ethnography Labs der Harvard University Aufmerksamkeit erregt.

Der Vortrag zeigt Querverbindungen und Verschränkungen dieser Forschungspraktiken auf, die sich im Spannungsfeld von Kunst, Wissenschaft und Gesellschaft abspielen. Erörtert werden diese anspruchsvollen Prozesse der Teilhabe anhand von exemplarischen Beispielen, auch aus laufenden Forschungsprojekten am ixdm.

Further Reading
Sibylle Peters (Hg.). Das Forschen aller: Artistic Research als Wissensproduktion zwischen Kunst, Wissenschaft und Gesellschaft. Transcript 2013.

David Howes, Chris Salter. Mediations of Sensation: Designing Performative Sensory Environments. Media-N journal.

Netzwerke zu künstlerischer Forschung
Society for Artistic Research
Swiss Artistic Research Network

Sensory Ethnography Lab

11 | 05.12.2016

Senses and Media Technology

Susanna Hertrich

Abstract
In diesem Vortrag stelle ich historische und aktuelle Beispiele “sinneserweiternder” Technologien aus Kunst, Wissenschaft und Design vor und erörtere anhand persönlicher Projekte mit welchen Methoden und Ansätzen Studierende eigene Projekte entwickeln und verfolgen können.

Further Reading
Auger, James. Designing Devices That Alter Perceptions. In: Devices That Alter Perceptions 2010, 12-13. Create Space Intl., 2011.

12 | 12.12.2016

Sound Studies In Practice

Felix Gerloff

Abstract
In einer Kultur, die scheinbar von Bildern, Texten und Sprache bestimmt wird, ist es notwendig und anregend über die klangliche Dimension unserer Alltagswelten und medialen Umgebungen nachzudenken. In dieser Sitzung besprechen wir zeitgenössische Ansätze aus Forschung, Kunst und Design, die sich kritisch mit Sound auseinandersetzen. Auf welche Weise intervenieren sie in ihrem jeweiligen medienkulturellen Kontext und gestalten Räume, Prozesse oder soziale Beziehungen? Welche Ideen und Strategien aus diesem Fundus können wir auf eigene Projekte übertragen?

Ein Beispiel wird das Audio Paper “The New Amagerkaner” sein. Es empfiehlt sich, das Paper bereits vor der Vorlesung anzuhören.
Kontext: Audio Papers. A Manifesto

Further Reading
Felix Gerloff/Sebastian Schwesinger: Sonic Thinking. Epistemological Modellings of the Sonic in Audio Papers and Beyond
Jonathan Sterne: The Sound Studies Reader – Einleitung

13 | 19.12.2016

Wrap Up

Claudia Mareis

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